Main-Echo vom 17. September 2008

Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal - AGH -

Sebastian Schönauer

Interview zum AUS für den Hafenlohrtal - Stausee

Main – Echo, 17.09.2008

Herr Schönauer, sind Sie der CSU-Staatsregierung dankbar, dass Sie das Projekt eines Trinkwasser-Speichersees im Hafenlohrtal endgültig gestoppt hat?

Ich freue mich sehr über die Entscheidung, dass ist ein großer Tag der Freude für uns alle. Wir sind erleichtert, dass sich die besseren Argumente endlich durchgesetzt haben.

Dankbarkeit gibt es gegenüber meinen MitstreiterInnen, meiner Frau und meiner Familie gegenüber.

Das sehen die örtlichen CSU-Abgeordneten aber anders.

Ich schätze jeden, der seinen Teil dazu beigetragen hat, dass dieses überflüssige Projekt endgültig vom Tisch ist. Mich stört dabei das Selbstlob einiger örtlicher CSU-Abgeordneter, die gerade so tun, als ob sie allein den Speicher verhindert hätten. Fakt ist: Ohne die hartnäckige Arbeit der Aktiven in der Aktionsgemeinschaft und ohne die z. Teil große Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger wäre der Speicher gebaut worden.

Warum hat es 30 Jahre gedauert, bis der Speicher endgültig beerdigt worden ist?

Es wurden immer andere, wenig stichhaltige Gründe angeführt, warum man nicht darauf verzichten kann. Zuerst war es ganz allgemein die Trinkwasserknappheit in Unterfranken. Als klar wurde, dass dieses Argument nicht trägt, wurde die Belastung des Trinkwassers mit Schadstoffen angeführt. Auch das war nicht dauerhaft haltbar, weil vor allem die Kommunen im Westen Unterfrankens, in der Region Aschaffenburg intensiv an der Trinkwasserqualität gearbeitet haben. Beispielhaft war hier die Stadt Aschaffenburg mit Oberbürgermeister Dr. Willi Reiland. Dort wurden viele Millionen in den Trinkwasserschutz investiert. Im Osten des Bezirks, rund um Würzburg, hat dieses Umdenken leider etwas länger gedauert, aber auch hier wurde irgendwann klar, dass ein Speicher im Hafenlohrtal die kommunalen und damit dezentralen Trinkwasserversorgungen nicht ersetzen kann.

Dennoch haben die Befürworter des Trinkwasserspeichers nicht aufgegeben.

Ja, zuletzt wurde der bereits einsetzende Klimawandel als Argument angeführt. Gerade dadurch sei die Option auf den Stausee im Hafenlohrtal unverzichtbar. Doch a uch die neuerdings vorgebrachten Klimaaspekte sind, wie die bisherigen Begründungen der Behörden nicht geeignet, um vom erfolgreichen Konzept der Erhaltung und Sanierung unserer unterfränkischen Quellen und Brunnen abzurücken.

Das Beispiel Spanien zeigt exemplarisch, dass nicht der Bau von Stauseen die Wasserversorgung sichert, sondern nur der vernünftige und ökologisch angemessenen Umgang mit unseren Gewässern über und unter der Erdoberfläche.

Warum hat die CSU ausgerechnet jetzt ihre Entscheidung bekannt gegeben?

Die CSU hat anscheinend die Reißleine gezogen. Sie wollte offensichtlich ein Signal an die Wähler geben, dass sie zum Umdenken in Kernfragen der Ökologie fähig ist. Umfragen zur Landtagswahl, die die Regierungspartei bei weniger als 50 Prozent sehen, haben ganz sicher dazu beigetragen, diese vernünftige Entscheidung jetzt zu veröffentlichen.

Wie haben Sie ganz persönlich auf die Neuigkeiten aus München reagiert?

Ich bin froh über diesen Sieg für die Ökologie, weil das wunderschöne Hafenlohrtal für die Menschen im Spessart erhalten bleibt. Persönlich bin ich erleichtert, denn 30 Jahre harte Arbeit bleiben nicht einfach in den Kleidern hängen. Bei uns freut sich meine ganze Familie, weil meine vielfältige Belastung im ehrenamtlichen Engagement jetzt doch deutlich geringer wird.