Würdigung des Tales aus ökologischer Sicht

 

In den »Unterlagen zum Raumordnungsverfahren« der Regierung von Unterfranken für eine Trinkwassertalsperre im Hafenlohrtal oder im Schondratal wird lediglich auf einer halben Seite von insgesamt 140 Textseiten auf die Ökologie des Hafenlohrtales eingegangen. Der Kernsatz (Bd. II, S. 35) lautet: »Der Staubereich überdeckt die landschaftsökologisch minderwertigen Fichtenaufforstungen des Talgrundes sowie Randbereiche des sich an den Hängen anschließenden Waldes«.
Wer so, wie die Regierung von Unterfranken und die »Fachleute« für Ökologie der Wasserwirtschaft, mit einer unserer letzten Naturlandschaften in Nordbayern umgeht, hat keine Schonung in der öffentlichen Diskussion verdient. Den oberen Teil des Hafenlohrtales als Naturschutzgebiet ausweisen und den unteren Bereich aus Scham über eine »unökologische« Fichtenaufforstung m einem Stausee zu ersäufen, ist der Gipfel einer planungsbesessen und planungswütigen, bürokratischen Scheinheiligkeit, im offenen Gegensatz zur Bayer. Verfassung, wo es heißt: »Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist, - auch eingedenk der Verantwortung für die kommenden Generationen -, der besonderen Fürsorge jedes einzelnen und der staatlichen Gemeinschaft anvertraut.« Boden, Wasser und Luft sind zu schützen, eingetretene Schäden zu beheben und die für Tiere und Pflanzen notwendigen Lebensräume zu schonen und zu erhalten!" Während uns der Artikel 141 der Bayerischen Verfassung zum Erhalten der letzten Naturlandschaften geradezu auffordert, werden die letzten noch erhaltenen Freiflächen mit großtechnologischen Projekten wie Flughafen München - Erdinger Moos, Atomfabrik WAA Wackersdorf oder einem Stausee im Hafenlohrtal weiterhin zubetoniert oder anderweitig vernichtet.

Herbstliche Stimmung bei den Teichen unterhalb des Forsthauses Diana.

Es gilt, die Doppelzüngigkeit der in Bayern herrschenden Politik am Beispiel Hafenlohrtal aufzuzeigen, um bei den Menschen ein Umdenken zu erreichen. Es gilt weiterhin unser Wahlspruch: Rettet das Hafenlohrtal! Diese einzigartige und unersetzliche Naturlandschaft muss für unsere Kinder und Enkelkinder erhalten werden! Verloren ginge unserer Heimat eines der letzten Bachsysteme, das von der Quelle bis zur Mündung ein freies Fließgewässer darstellt, kaum zersiedelt und kaum von der menschlichen Zivilisation geschädigt.
Erhebliche Bedenken gegen den Bau einer Trinkwassertalsperre im Hafenlohrtal hat auch die Oberforstdirektion Würzburg angemeldet. In einer Antwort an die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die nach den Auswirkungen des möglichen Talsperrenbaus auf den Wald gefragt hatte, spricht die Oberforstdirektion von »schwerwiegenden Waldverlusten und Eingriffen in die Belange des Waldes«.
Wegen ihrer Bedenken gegen das Projekt habe sie die Frage der Ersatzaufforstung zwar noch nicht aufgeworfen. Dennoch wissen die Forstleute schon heute, wie viel Wald die Talsperre in ihrer projektierten Größe verschlingen wird:

Es sind rund 300 Hektar. Hinzu kommen 30 Hektar vorübergehende Entwaldung als Baufläche und zur Material- und Humuslagerung. Nach den Ermittlungen der Oberforstdirektion überflutet allein die 250 Hektar große Staufläche rund 212 Hektar Wald. Im Wasser gehen unter

-   44
Hektar Buchenwald
-   58
Hektar Mischwald
- 110
Hektar Fichtenaufforstungen

Der Wald weicht aber auch außerhalb des eigentlichen Stausees. Dort ist er notwendigen Zusatzbauwerken und Anlagen im Weg, ohne die eine Trinkwassertalsperre nicht auskommt.

So verschwinden:

- 15 Hektar Wald für Rückhalte- und Klärbecke
- 20 Hektar Wald für Ersatzweg
- mindestens 10 Hektar Wald für Überpumpleitunge
- 25 Hektar Wald für die Trassen der Versorgungsleitungen in den Raum Aschaffenbur
- 13 Hektar Wald für die 7,5 Kilometer lange Schussrinne und die Hochwasserentlastun
- 5 Hektar Wald für Park- und Rastplätz

Zwischen Diana und Hubertus stehen auf der Talsohle allein 210 Alteichen, die als Über hälter zum großen Teil noch in die Zeit des mittelalterlichen fürstbischöflich - würzburgischen Gestüts in Lindenfurt zurückreichen.
Die Vitalität dieser Landschaft kommt auch durch die Artenvielfalt bei den Bäumen zum Ausdruck. Während die Forstwirtschaftlich genutzten Wälder der Hänge und Kuppen im Spessart nur ganz wenige Baumarten - häufig nur zwei - aufweisen, findet man im Tal der Hafenlohr Berg - Ahorn, Stiel- und Traubeneiche, Birke, Schwarzerle, Hain- und Rotbuche, Salweide, Bruchweide, Kastanie, Winter- und Sommerlinde, Robinie, Lärche, Hasel, Waldkiefer, Feld- und Berg-Ulme, Schwarzen Holunder, Berg-Holunder, Weißdorn und Schwarzdorn.
Die auch im Vergleich zu anderen Spessarttälern überaus artenreiche Flora und Fauna des Hafenlohrtales ist Ausdruck der Klimagunst, der hohen Wasserqualität, der sicheren Wasserversorgung und der sich daraus in Verbindung mit dem geologischen Untergrund ergebenenden vielgestaltigen Biotope.
Ein natürliches Bachsystem wie das der Hafenlohr muss in unserer verplanten Landschaft schon seines Seltenheitswertes wegen zu einem echten Refugium für störanfällige und anderswo längst verschwundene Arten werden. Um es auf einen Nenner zu bringen: Dieses Tal weist ein intaktes, relativ stabiles Ökosystem mit einer bemerkenswerten Artenvielfalt auf. Wir können uns den Verlust eines so elementaren Teiles unserer Heimat und damit unserer natürlichen Umwelt nicht mehr leisten.
Ist der Ausspruch »Das Bewahren der biologischen Daseinsgrundlage des Menschen und der Verzicht auf die Vorteile des Augenblickes sind heute lebensnotwendige Aufgaben und Pflichten geworden.« nur ein Politikerspruch oder ein erster Ansatz zum Umdenken? Notwendig wäre letzteres!


»Der Schadstoffeintrag in den Boden muss umgehend gestoppt werden: Jedes Gift, jeder Dünger landet unfehlbar in unserem Grundwasser oder in unseren Flüssen. Mit den Meeren sterben Tiere und Pflanzen. Mit dem Wasser stirbt der Mensch!«

Sebastian Schönauer, AGH- Vorsitzender am 27. Februar 1988 zur »Krise der Trinkwasserversorgung« in Köln

 

Erdkrötenpärchen beim Ablaichen: Die Eier werden in Laichschnüren um Wasserpflanzen geschlungen.


Unser liebes Hafenlohrtal aus verschiedenen Ansichten !

- Idylle im Aufbruch
- Bund Naturschutz in Bayern und das Hafenlohrtal
- Landschaft und Oekologie
- Geologische und klimatische Gegebenheiten
- Flora und Fauna des Tales
- Grossgliederung der Vegetation
- Hangwaelder und Hangwiesen
- Feuchtbiotope der Talaune
- Fauna des Tales
- Ausverkauf der Natur
- Wuerdigung des Tales aus ökologischer Sicht
- Das Hafenlohrtal und seine Gemeinden
- Quellennachweis